Neben der finanziellen Unterstützung für die Projekte ist auch die Arbeit als Volontär eine wichtige und interessante Unterstützung. Zu diesem Zweck können Volontäre einige Wochen (oder auch Monate) vor Ort im Projekt in Kamerun arbeiten. Hier findet ihr demnächst weitere Informationen zu Praktika bzw. zur Volontärsarbeit vor Ort. Falls ihr vorab weitere Infos haben wollt, kontaktiert uns bitte über die Spenden/Unterstützen-Seite.
Hier findet ihr schon mal Berichte von Volontärinnen und Volontäre die bereits vor Ort im Luckyhill-Projekt gearbeitet haben. Fotos und Eindrücke der Volontäre könnt ihr auch auf unserer Bilder-Seite finden.
Uns war schon lange Zeit vor unseren Abiturprüfungen bewusst, dass wir uns nicht gleich in das Leben eines Studierenden stürzen wollen, sondern erst einmal etwas komplett Anderes fern der gewohnten Umgebung erleben wollen. Glücklicherweise waren wir beide der Meinung diese wichtigen Erfahrungen mit einem guten Freund teilen zu wollen und so bewarben wir uns zu zweit für ein Volontariat bei KiGha, der uns schon vorher durch unsere Familien bekannten Organisation mit Hauptsitz in Erfurt. Zwei Monate sollten wir im Nordwesten Kameruns in der Stadt Kumbo verbringen und an zwei von KiGha unterstützten Projekten teilnehmen. Beide Projekte sollten einer staatlichen Grundschule in Kumbo, der G.S. Tobin, zu Gute kommen
Projekt 1: Tree-Planting-Projekt
Ziel des Tree-Planting Projektes war es, 110 Bäume verschiedener Arten (Palmen, Avocado-Bäume und andere) auf dem Schulgelände der GS Tobin zu pflanzen. Das Pflanzen der Bäume sollte die Schüler den Biologieunterricht praxisnah miterleben lassen, die Klassenräume vor Wind schützen, den Schülern und Lehrern Schatten spenden, die Schönheit des Schulgeländes gewähren sowie eine Grenze zur benachbarten High School bilden. Für uns als Volontäre gab es also gleich nach unserer Ankunft viel zu tun. Das Schulgelände musste vermessen, Löcher mussten gegraben, die Bäume mussten gepflanzt und Schutzzäune aufgebaut werden. Dies geschah in Zusammenarbeit mit den Schülern sowie einigen Lehrern der Schule, die zusammen mit einigen Eltern ein Komitee gegründet hatten, die Parents and Teachers Association (PTA), um so Absprachen bezüglich der Projekte mit uns zu treffen. Die Zusammenarbeit mit dem Komitee stellte sich als äußerst produktiv und wichtig heraus, da Entscheidungen schnell und unkompliziert getroffen werden konnten und wir vor Ort immer Ansprechpartner hatten. Insgesamt dauerte das Pflanzen und Umzäunen der Bäume zwei Wochen lang und war äußerst erfolgreich und spaßig.
Projekt 2: Sanierung des Schulgebäudes
Das zweite Projekt, an dem wir teilgenommen haben, war ein Projekt zur Instandsetzung des Schulgebäudes, welches sich bei unserer Ankunft in einem katastrophalen Zustand befand und in dem vor allem in der Regenzeit aufgrund der Löcher im Dach kaum ein regelmäßiger Unterricht möglich war. Das Projekt ist in zwei Phasen unterteilt. In der ersten Phase soll der erste Teil des Schulgebäudes, in dem sich vier Klassenräume, das Lehrerzimmer und ein Computerraum befinden, saniert werden. In der zweiten Phase soll, wenn die Finanzierung geklärt ist, der Rest des Schulgebäudes fertig gestellt werden. Die erste Aufgabe bestand also darin, das Dach wieder in Stand zu setzen, weil es durch den ständigen Regen (es war August, der niederschlagreichste Monat der „rainy Season“) erst danach möglich war, die Klassenräume zu renovieren. Nachdem das Komitee auf eine sehr demokratische Weise den verantwortlichen Dachdecker gewählt hatte und die Kosten der gesamten ersten Phase einigermaßen einschätzen konnte, wurde das alte Dach abgerissen, noch halbwegs verwertbare Wellblechplatten verkauft und eine Liste von Materialien erstellt, die für das neue Dach benötigt werden würden. Daraufhin fuhren wir mit einigen Lehrern zu einem „Baumarkt“ und kauften alles Nötige. Die Reparatur des Daches dauerte eine Woche. Zudem wurden einige Säcke Zement gekauft, um die Löcher auf der „Veranda“ und in den Klassenräumen zu stopfen und einige Treppen, die auf die „Veranda“ führen, zu bauen. Nach der ersten Woche stellte sich heraus, dass das gekaufte Material doch nicht ausreichen würde, um auch das Dach über dem Lehrerzimmer und dem Computerraum neu decken zu können. Aus finanziellen Gründen unterbrachen wir die Arbeiten am Dach und begannen, nachdem ein vertrauenswürdiger Maler ausgewählt wurde, die ersten vier Klassenräume, über denen das Dach schon renoviert war, von innen zu streichen und die Decken dieser mit neuen Sperrholzplatten zu sanieren. Am Streichen der Klassenräume beteiligten wir uns aktiv und mit viel Spaß. Das finanzielle Problem sollte den Abschluss der ersten Phase des Projektes an der GS Tobin aber nicht hindern und so stellte Kigha noch einmal Geld zu Verfügung. Die Schule wurde jetzt von außen gestrichen und das Dach über den beiden Räumen fertig gestellt. Die Schüler, die, während wir unseren Meetings nachgingen, in den benachbarten Unterrichtsräumen Ferienkurse besuchten, waren von all dem hellauf begeistert und auch wir sind mit der geleisteten Arbeit mehr als zufrieden und halten es für unbedingt notwendig, auch den zweiten Teil der Schule zu sanieren. Unserer Meinung nach ist es nach all der Arbeit jetzt wieder möglich regelmäßigen Unterricht in der Schule, auch während der Regenzeit, abzuhalten. Ein großer Dank geht dabei an Andrea und Julius, mit denen wir während der gesamten Zeit Kontakt hatten und die uns in den ersten zwei Wochen eine Einweisung in alles gegeben haben, sowie dem Komitee vor Ort, welches uns die Arbeit erleichtert hat und für uns immer als Ansprechpartner und Berater da war.
Kumbo - Kamerun
Aber auch das Leben in einer afrikanischen Kleinstadt wie Kumbo mit rund 60.000 Einwohnern hat uns verdammt gut gefallen. Überall wurde man mit einer Gastfreundschaft und Freundlichkeit empfangen, die wir so noch nirgendwo auf der Welt erlebt haben. In den zwei Monaten haben wir viele tolle Menschen getroffen, Freundschaften geschlossen und wertvolle Erfahrungen gemacht, die uns unser ganzes Leben lang in Erinnerung bleiben werden. Das Leben in unsere Gastfamilie ist uns aufgrund der Fröhlichkeit und Offenheit dort von Anfang an leicht gefallen und unser Gastbruder Harrison hat sich nicht nur sehr gut um uns gekümmert, sondern ist auch zu einem echten Freund geworden. Rückblickend können wir sagen, dass es mit die schönste Zeit unseres Lebens war und das wir allen sehr dankbar sind, die uns das ermöglicht haben.

Schon als Schüler der Oberstufe war mir klar, dass ich nach meinem Abitur nicht sofort in die Arbeitswelt oder das Studium einsteigen wollte. Mir war klar, dass die Zeit nach dem Abitur der perfekte Zeitpunkt für einen längeren Auslandsaufenthalt war, daher begann ich bereits Anfang meines letzten Schuljahres mit der Suche nach einer geeigneten Organisation. Der afrikanische Kontinent entpuppte sich dann schnell als mein Favorit, was nicht von ungefähr kam, denn ich war schon als kleiner Junge in Ägypten und auch Verwandte erzählten mir einige tolle Geschichten von ihren Reisen durch Namibia. Das Angebot für afrikainteressierte Volontäre im Internet ist groß, besonders die – ich nenne sie jetzt mal „Großorganisation“ Weltwärts fiel mir dabei immer wieder auf. Viel wird über diese Organisation geschrieben, viel Gutes natürlich, mir persönlich war Weltwärts jedoch zu undurchsichtig, daher habe ich mich auf die Suche nach einem kleineren, privateren Verein gemacht und bin schließlich auf Kinder in Ghana e.V. (Trägerorganisation Springboard) gestoßen. Ehemals in Ghana tätig, sollte es jetzt nach Kumbo/Kamerun gehen. Bei dem Wort Kamerun bekam ich als passionierter Tier- und Pflanzenfreund natürlich große Augen: Urwald! Ich bewarb mich also per E-Mail und ehe ich mich versah, hatte ich das Volontariat auch schon in der Tasche. Ein Dank geht dabei natürlich noch an Andrea, über die ich den Kontakt mit dem Verein hielt.
Mein eigentlicher Wunsch, mit dem Volontariat meinen Zivildienst abzuleisten, konnte mir das Bundesamt für den Zivildienst leider nicht erfüllen, daher konnte ich nur ein halbes statt dem geplanten ganzen Jahr in Kamerun bleiben. Diese Planänderung wurde ohne Probleme von KiGha hingenommen, wofür ich ebenfalls nochmal ein großes Dankeschön loswerden möchte!
Der Abreisetermin fiel auf den 3. August 2010 und so ging es dann auch im Sommer für mich nach Kamerun. Der Flug von Hamburg über Paris CDG nach Douala verlief reibungslos und auch Neville, Sohn meiner Gastfamilie, wartete schon am Flughafen auf mich. Nachdem wir etwa eine Woche in Douala verbracht hatten (Zoll) ging es dann für mich endlich nach Kumbo, wo ich das nächste halbe Jahr verbringen sollte.
Ich wurde von der Gastfamilie sofort mit offenen Armen empfangen und auch im späteren Verlauf meines Aufenthaltes wurde mir bewusst, wie groß Gastfreundschaft in diesem Land geschrieben wird. In den ersten Tag war Jullius, der älteste Sohn der Familie und Mitglied bei KiGha, mir eine große Hilfe. Alles war noch völlig neu für mich und daher war es gut, eine Einführung von Jemanden zu erhalten, der auch die europäische Kultur kennt.
Das Haus, bzw. die Haushälfte, die für die Volontäre gedacht ist, besteht aus einem Großen Raum (Klassenraum), einer Küche, zwei Badezimmern und drei Schlafzimmern. Es gibt einen Haupteingang und einen Hintereingang, der in einen kleinen, gemütlichen Innenhof führt, von dem wiederum auch eine Tür ins Freie führt. Anders als man erwarten könnte, gibt es in den Badezimmern die für Europäer „normalen“ Toiletten, an das Eiskalte Wasser muss man sich aber erst gewöhnen. Glücklicherweise wurden Tauchsieder für das Erwärmen von Wasser in Eimern zur Verfügung gestellt, welche ich und die anderen Volontäre in den ersten Wochen auch gerne in Anspruch nahmen.
In der kurzen Anfangszeit, in der ich alleine in der Schule unterrichtete, stand Harrison mir immer mit Rat und Tat zur Seite.
Anfangs gab es einen Kurs, dem ich Computerkurse gab. Schon von Anfang an war die Nachfrage groß und so bildete sich schnell ein zweiter Kurs. Ein Kurs wurde morgens und ein Kurs nachmittags unterrichtet, somit konnten die Schüler, größtenteils Erwachsene, auch neben der Schule noch ihren Tätigkeiten nachgehen.
Mitte August kamen noch vier weitere Volontäre zu mir ins Haus: Lea, Anne, Josef und Florian aus dem Süden Deutschlands. Zu fünft in einem Haushalt, quasi in einer WG zu leben, hat sich für mich in einem fremden Land eindeutig als Vorteil erwiesen, da man nicht der Einzige ist, für den alles neu ist und man sich jederzeit austauschen kann.
Nach Ende der Schulferien Anfang September begann für uns dann der richtige Schulalltag, nun sollten wir neben Computerkursen auch Mathe-, Deutsch- und Englischunterricht geben. Anne und Lea haben in den örtlichen Schulen Teilzeitunterricht gegeben, Florian, Josef und ich haben uns den Unterricht bei Springboard geteilt, dabei haben wir den Matheunterricht feierlich in Florians Hände gegeben, den Rest haben wir in Schichten untereinander aufgeteilt. Den Stundenplan haben wir zusammen mit allen Schülern entwickelt, damit es möglichst wenig Kollision mit eventuellen Arbeitszeiten der Schüler gab. Für die Schüler, die wirklich noch Schüler waren und zur richtigen Schule mussten, haben wir Extraunterricht nach unserem regulären Unterrichtsplan gegeben.
Besonders beliebt bei den Schülern war der Computerkurs, hier gab es die größte Nachfrage und KiGha/Springboard kann wirklich stolz auf seine Schüler/-innen sein, denn sie waren allesamt wissbegierig und haben bei regelmäßiger Wiederholung schnell gelernt.
Der Matheunterricht war wie zu erwarten eher spärlich besucht, nur wenige Schüler taten den Schritt, sich öffentlich einzugestehen, dass es in diesem Fach bei ihnen einiges Nachzuholen gibt. Diejenigen, die an dem Matheunterricht aber teilnahmen, taten dies meines Wissens nach mit Erfolg. Besonders ist hierbei hervorzuheben, dass diejenigen Schüler, die etwas verstanden hatten, sofort zu anderen Mitschülern gegangen sind, um ihnen zu helfen, dies fällt für mich unter Selbstständigkeit, was man bei Schülern in Deutschland häufig vermisst. Diese Eigenschaft in Kamerun anzutreffen, hat mich sehr beeindruckt und wurde von uns gefördert. Die Schüler durften (anders als in Deutschland) jederzeit Aufstehen, um anderen zu helfen. Natürlich durfte auch jederzeit der Raum verlassen werden, niemand der Schüler war gezwungen, dem Unterricht zu folgen geschweige denn beizuwohnen. Das einzige Problem bei der Durchführung des Unterrichts bestand in der Pünktlichkeit der Schüler. Nicht selten kamen Schüler eine Stunde zu spät, weshalb der gesamte Unterricht zuerst unterbrochen und dann neu aufgerollt werden musste.
Die Deutschstunden wurden insgeheim zu unseren (die Lehrer) Lieblingsstunden, hier hatten beide Seiten immer sehr viel Spaß, es wurden wichtige Floskeln gelernt, Texte übersetzt und deutschsprachige Lieder gehört. Auch die deutsche Kultur wurde somit nicht außer Acht gelassen, was die Schüler sehr zu schätzen wussten. In ganz Kumbo, immerhin eine große Stadt, hört man die Menschen „guten Morgen!“ und „Hallo!“ rufen, besonders die Kinder finden Gefallen daran, was nicht zuletzt Lea und Anne zu verdanken ist.
Neben den Unterricht haben wir als Gruppe auch einiges Unternommen, es gibt in der näheren Umgebung so einige Ecken, die man über fantastische Wanderwege erreichen kann, denn auch wenn Kumbo auf fast 2000 m über NN. Liegt und die Abholzung des Waldes mehr als nur fortgeschritten ist, so gibt es doch einige naturbelassene Ecken mit Wasserfällen und orchideenbewachsenen Urwaldbäumen. An heißen Tagen findet man dort eine erfrischende Abkühlung, in Seen sollte man nämlich lieber nicht springen, teils wegen der Verschmutzung, teils wegen den traditionellen Hintergründen ist dies meist untersagt!
Anfang Oktober verließen mich die vier deutschen Volontäre wieder und mir stand ein Monat bevor, in dem ich alleine unterrichten sollte. Dies fiel mir nicht besonders schwerer als in der Zeit davor, Ich und die Schüler hatten und aufeinander eingespielt. Lediglich der Matheunterricht blieb dabei anfangs auf der Strecke, da Harrison, der Florians Nachfolger werden sollte, nicht vor Ort war. Als er dann aber wieder da war, konnte der Matheunterricht weitergehen oder vielmehr neu beginnen, Harrison räumte das weite Feld der Mathematik von hinten auf, damit auch wirklich jeder dem Unterricht folgen konnte und siehe da, Harrison brachte auch erstaunliche viele Schüler dazu, sich dem Unterricht anzuschließen!
Der Englischunterricht bestand im Wesentlichen in Schreib- und Grammatikübungen, alle Schüler waren der englischen Sprache mächtig, lediglich die Rechtschreibung und die Grammatik waren/sind ein Problem. Die von mir mitgebrachten Englischbücher waren beim Unterrichten eine große Hilfe.
In der Zeit, in der ich alleine im Haus war, hat sich für mich persönlich der Aufenthalt noch einmal grundlegend geändert. Man hatte sich bereits eingelebt, durch das „allein“-sein aber nochmal ganz andere Erfahrungen gemacht, außerdem hat sich ein bunter Freundeskreis entwickelt, größtenteils natürlich aus Kamerunern aber auch aus anderen Deutschen, Amerikanern und Engländern. Ich war wirklich immer wieder überrascht, wie viele „Whitemen“ es speziell in Kumbo gibt und man hört auch von allen Seiten, dass es nirgendwo so viele gibt wie hier (Kumbo). Daher sind die Leute hier auch extrem aufgeschlossen und freuen sich über jeden weißen Besuch auch ohne, dass er Geld o.ä. gibt, was man ja vermuten könnte. Auch die Weißen untereinander sind sehr Gastfreundlich, trifft man einen Weißen auf der Straße, wird sich erst einmal vorgestellt und dann natürlich ausgetauscht. Von Volontären in Douala weiß ich, dass das dort nicht annähernd so offen und freundschaftlich zugeht wie in Kumbo. Damit das hier nicht allzu sehr ins Private abschweift, bleibt mir nur zu Sagen, dass ich in Kumbo wahre Freundschaften geschlossen habe und es schmerzt mich, dass ich schon nach so kurzer Zeit wieder gehen musste.
Anfang November kam dann wieder neuer Wind in Springboard mit der Ankunft der neuen Volontärin Dorothea. Zusammen mit ihr und Harrison wurden dann die zwei Hauptregeln manifestiert: Pünktlichkeit und Handyverbot im Unterricht. Weiterhin haben die Schüler mit ihr mehrere deutsche Lieder eingeübt, wobei sie sichtlich Spaß hatten. Allzu viel Unterrichtszeit verblieb dann ja nicht mehr, Anfang Dezember haben die Weihnachtsferien begonnen, in denen ich die ganze Gastfreundschaft noch einmal richtig zu spüren bekommen habe, man wird extrem häufig eingeladen und wenn man nicht gerade eingeladen wird, ladet man selber ein, so haben Doro und ich zusammen mit zwei anderen deutschen Volontären (Jan und Alexandra) eine Weihnachtsfeier am 24. Dezember veranstaltet, in Kamerun feiert man an diesem Datum nämlich noch nicht und so haben wir einen ganzen Haufen Einheimischer eingeladen, für sie gekocht und mit ihnen gefeiert.
Unmittelbar nach Weihnachten sind wir dann in den Urlaub nach Kribi gefahren, um dort Silvester zu verbringen, einen schöneren Ort dafür wird es wohl auf der ganzen Welt nicht geben!
Nach Kribi begann für mich dann das Ende meines Volontariats, am 13. Januar sollte mein Flieger gehen, somit blieben nur noch wenige Unterrichtseinheiten mit unseren Schülern und Abende mit den Freunden, die ich aber umso mehr genossen habe. Der Abschied von den Engsten Freunden viel mir zwar schwer, für uns wurde aber eine Abschiedsfeier gemacht, uns wurden Abschiedsreden gehalten und Abschiedsgeschenke überreicht.
Rückblickend kann ich sagen, dass es das schönste halbe Jahr meines Leben war, ich möchte keinen einzigen Tag missen, auch wenn nicht jeder ein guter war und ich kann jedem nur empfehlen, das gleiche zu tun! Sollte dies ein zukünftiger Springboard-Volontär lesen: Kumbo's a place to be!
Wenn die Rucksäcke groß genug gewesen wären, hätten wir sie bei der Abreise alle eingepackt. Joy, die ab morgens um sechs singt, Abeku, der immer „Chicken, Chicken“ jagen will, Enynda, der immerzu an Kakao aus Kasoa denkt, Kobby, Paul, Precious, Belinda und alle anderen auch. Diese Kinder, für die ein paar Buntstifte und Papier, und jemand, der sich für sie Zeit nimmt, noch etwas Besonderes sind.
Da das mit dem Einpacken nicht geklappt hat, bleiben uns zurück in Deutschland Erinnerungen an einzigartige Momente mit wundervollen Kindern, die uns mit ihrer Freude, ihren Eigenarten, ihrer Neugier und Herzlichkeit in ganz kurzer Zeit ganz wichtig geworden sind. Dass die meisten dieser kleinen Persönlichkeiten ab und zu mal ein bisschen nach Pippi riechen, sich die laufende Nase mit ihrem T-Shirt abwischen, irgendwie immer schmuddelig sind, wo sie stehen und gehen hinpinkeln und sich auch gern auch mal hauen, war zugegebenermaßen erstmal gewöhnungsbedürftig. Aber nur, bis zum ersten Mal einer der kleinen Dreckspatzen an uns gekuschelt in unserem Arm eingeschlafen war. Dann interessiert der Dreck, in dem man lebt, irgendwann nicht mehr und es zählt nur, dass die Zeit, die wir mit ihnen verbringen, für die Kinder eine gute Zeit ist.
Und das haben wir in unseren 10 ½ Wochen im Luckyhill Children‘s Home versucht. Mit den Kindern eine gute Zeit haben. Wir haben gemalt, gespielt, vorgelesen, getanzt, Fußball gespielt, Bananen gegessen, versucht zu erklären, dass man anstatt mit Fäusten auch mit Worten streiten kann, Puppentheater gemacht, Fächer geflochten, Englisch unterrichtet, das Abc geübt, kleine und große Wunden verarztet, viel gelacht und manchmal geweint und wir würden es immer wieder machen.

Nachdem ich am 21. Januar 2009 meine mündliche Prüfung bestanden hatte, ging es für mich einige Tage später als frisch gebackene Reiseverkehrskauffrau nach Ghana. Nach meiner Ausbildung wollte ich gerne etwas völlig anderes und möglichst auch noch etwas Sinnvolles machen. So kam es dazu, dass ich im Internet nach den passenden Adressen suchte und irgendwann auf Kigha gestoßen bin. Die Vorbereitungszeit war sehr spannend und ging dann irgendwie schneller vorüber, als mir lieb war. Am Flughafen von Frankfurt bekam ich dann doch ein wenig schlotternde Knie, aber sobald ich dann im Flieger saß, wich der Angst die Aufregung und die Spannung auf alles, was da kommen mochte. Und da kam eine ganze Menge. In Accra wurde ich von Kingsley, seinem besten Freund und seinem älteren Bruder abgeholt. Er hatte noch einige Dinge in der Stadt zu erledigen und so sind wir quer durch Accra gefahren und meine Augen wurden immer größer. Aber es war genau so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Die ersten Tage nutzte ich zusammen mit Sabine, einer anderen Volontärin, die schon seit zwei Monaten in Ghana war (allerdings in anderen Waisenhäusern), um die Kinder und das Projekt kennenzulernen. Wir verliebten uns direkt in zwei neue Waisenjungs, die erst seit kurzem im Projekt waren. Da die beiden so gut wie nichts besaßen, fuhren wir gleich an einem unserer ersten Tage mit ihnen auf den Markt von Kasoa und kauften Hosen, Unterwäsche und Shirts für sie zum Anziehen. Die beiden staunten nicht schlecht über all das Chaos in Kasoa und zeigten ständig nur mit den Fingern auf alles, was sich bewegte.
Am Ende unserer ersten Woche kamen dann auch Diana und Dani an, die sich vorgenommen hatten, in den kommenden vier Wochen jede Menge neuer Schulbänke und Möbel für die Kinder zu bauen. Wir waren von Anfang an ein super Team und während die beiden ordentlich loszimmerten, machten Sabine und ich uns daran, den Zimmern einen neuen Anstrich zu verpassen. Das war eine sehr schweißtreibende Angelegenheit und ich habe an Stellen meines Körpers geschwitzt, an denen ich es niemals für möglich gehalten hatte, dass man da schwitzen könnte.
Abends saßen wir meistens in fröhlicher Runde beisammen, haben geholfen, die Kinder zu waschen, haben zusammen gelesen oder uns vorlesen lassen.
In den folgenden Wochen, in denen ich alleine im Projekt war, habe ich viel dabei geholfen, handgeschriebene Klausuren abzutippen, Zeugnisse zu schreiben und den älteren Kindern das Arbeiten am Laptop zu erklären. Sie waren völlig fasziniert von dieser „Maschine“ und hörten immer aufmerksam zu, wenn ich etwas erklärt oder gezeigt habe.
Nachdem ich mit den Kindern sehr oft Hausaufgaben gemacht oder mit ihnen zusammen lesen und schreiben geübt hatte, fand ich schnell heraus, welche Kinder speziell gefördert werden müssen und welche in der Schule schon ganz gut zurecht kommen. Ich habe dann einzelne Kinder aus dem Unterricht geholt und mit ihnen intensiv lesen und schreiben gelernt, weil wirklich einige dabei waren, die dies überhaupt nicht beherrschten und trotzdem schon die zweite oder dritte Klasse besuchten. An den Nachmittagen habe ich versucht, sinnvolle Freizeitbeschäftigungen für die Kinder zu finden oder ihnen bei ihren teils schweren Hausarbeiten zu helfen. So haben wir oft zusammen das Geschirr der Schulkinder gespült, die Zimmer sauber gemacht und aufgeräumt, Karten gespielt, gemalt, Ball gespielt und vieles mehr. Die Kinder freuen sich über jedes bisschen Aufmerksamkeit und sind sehr dankbar dafür, wenn man sich mit ihnen beschäftigt. Leider wird mit ihnen im Alltag sehr ruppig umgegangen und so freuen sie sich sehr über ein paar liebe Worte und ein wenig Lob.
Einer der neuen Waisenjungen hatte in den ersten Wochen immer sehr offensichtlich schlimme Zahnschmerzen. Ein Blick in seinen Mund verriet, dass seine Zähne kreuz und quer und auch übereinander wuchsen und er dringend einen Zahnarzt sehen musste. So war ich mit ihm drei Mal in der Zahnklinik in Accra und habe mich mit der ghanaischen Bürokratie auseinander gesetzt. Letzten Endes waren alle überflüssigen und falsch stehenden Zähne gezogen und der kleine Abeku wieder glücklich. Allerdings erst, nachdem ich ihm versprochen hatte, dass wir da nie nie nie wieder hinfahren.
Des Weiteren war ich regelmäßig für die Kinder einkaufen. Pampers, Babylotion und Puder waren immer Mangelware und da die Frauen, die die Schule und die Waisenkinder betreuten, nur sehr wenig Zeit und schon gar kein Geld für solche Einkäufe hatten, habe ich das regelmäßig übernommen und konnte ihnen so eine große Freude machen.
Wenn ich heute an meine Zeit im Luckyhill Children´s Home zurück denke, bekomme ich richtig „Heimweh“. Die Kinder und auch die Erwachsenen im Projekt sind mir sehr ans Herz gewachsen du ich hatte eine sehr erlebnis- und erfahrungsreiche Zeit dort. Ich möchte keinen meiner Tage dort missen und würde jederzeit wieder nach Ghana gehen, um dort als Volontärin mit anzupacken.

Im Sommer 2008 beschlossen wir, ein Projekt in Ghana zu unterstützen. Als wir bei unserer Recherche im Internet auf KiGha stießen, war das für uns die richtige Adresse. Das Luckyhill: ein Waisenhaus im Aufbau, wo Hilfe an vielen Ecken und Enden gebraucht wird. Wichtig war einfach nur: Da können wir was tun!!! Unsere Telefonate mit Katja im Vorfeld gaben uns eine kleine Vorstellung von dem, was uns dort erwarten würde. Natürlich war es dann doch irgendwie ganz anders, aber so einmalig und unvergesslich, wie man es sich eben NICHT vorstellen kann, wenn man nicht selbst einmal dort gewesen ist.
Am 1. Februar 2009 saßen wir im Flugzeug. Ausgestattet mit Werkzeug – zumindest das, was sie uns beim Einchecken (wegen Übergewicht) gelassen hatten – viel Mut und viel Sonnenmilch.
Von den Volontären, die vor uns im Luckyhill waren, hatten wir gehört, dass es nicht schlecht wäre, den Kindern Schränke zu bauen, damit sie ihre Habseligkeiten unterbringen könnten. Also freuten wir uns schonmal darüber, dass wir – voraussichtlich – mit unseren (u.a.) handwerklichen Absichten dort etwas anfangen könnten.
Mit einem freundlichen Empfang von Kingsley und seinem Freund Justice starteten wir in eine erlebnisreiche Zeit. Wir zogen im Luckyhill bei Sabine und Dajana ins Zimmer ein, mit denen wir in den kommenden Wochen so ziemlich alles teilten: Essen, Trinken, Schlafen, Moskitonetz und -stiche, Medikamente, dreckige Füße :-) und allerlei Emotionen... Wir waren ein tolles Team!
Gleich am ersten Tag ließ Kingsley uns wissen, dass dringend 60 Schulbänke benötigt werden. Wow! Das ist viel! Und bald darauf fanden wir uns in der nächstgelegenen Kleinstadt in einer “Einkaufsstraße” für Holz und holziges wieder. Eine staubige Straße mit X kleinen Hütten, die schattenspendende Vordächer hatten zum Dasitzen, Aussuchen, Diskutieren und: Preise verhandeln – was dann auch schon mal einen halben Tag dauern konnte.
Mit 120 Brettern je 4 Meter Länge starteten wir am nächsten Tag das Schulbankprojekt. Zum Glück wurde uns Steven “the carpenter” zur Seite gestellt. Ein tüchtiger, ghanaischer Zimmermann, der uns mit aller Geduld die Elemente für die Bänke zurechtsägte.
Er sägte, wir hämmerten. Nach zwei Wochen hatten wir die 120 Bretter in 56 Schulbänke verwandelt. Heiß war´s!! Und anstrengend! Und Spass hatten wir! Und jede Menge Gesellschaft – in jeder Pause, nach dem Unterricht und manchmal auch währendessen. Die Kinder waren immer um uns herum. Wollten immer helfen, waren immer fröhlich.
Während wir unsere Zeit den Schulbänken widmeten sorgten Dajana und Sabine für die Gestaltung der Wohnräume. Mit bunten Farben wurde gestrichen und so verlor ein Raum nach dem anderen sein betongraues Antlitz.
An den Abenden spielte sich meist alles Leben auf dem Platz zwischen Wohn- und Waisenhaus ab. Kochen, Essen, Spielen, Singen – auch Hausaufgaben machen, Geschirr und/oder Wäsche waschen und auch für die Sonntagsmesse Kleider bügeln. Alle machten immer irgendwas.
Natürlich gibt es neben den Kindern auch die Erwachsenen, die Tag und Nacht dafür Sorge tragen, dass alles irgendwie funktioniert. Für über dreihundert Schulkinder wird an 5 Tagen in der Woche auf einer Feuerstelle gekocht. Dafür sorgt Gloria, die darüber hinaus auch das Waisenhaus mit Essen versorgt – vom Einkauf bis zur Essensausgabe, täglich. Dabei hat sie 4 eigene Kinder, die mit ihr hier leben. Dann gibt es im Waisenhaus natürlich Berge von Wäsche, die täglich bewältigt werden müssen (ohne Waschmaschine)... Celina zeigt gerne, wie man richtig mit der Hand wäscht und kümmert sich rund um die Uhr um die ganz Kleinen, die sehr viel mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge benötigen als die großen Kinder, die schon mithelfen können. Und Kingsley ist ständig damit beschäftigt, Dinge voranzutreiben: Er ist Schuldirektor, Waisenhaus-”Vater”, Bauleiter, und Ansprechpartner für alle Kleinigkeiten des Alltags zugleich. Bemerkenswert, was die Menschen hier jeden Tag leisten!
Unser nächstes Projekt waren Stockbetten und besagte Schränke für die Kinderzimmer. Dem voraus ging wieder ein ausgiebiges Einkaufszeremoniell bei “Lady Africa” – so hieß die Dame, die uns das Holz verkaufte. Frauen sind in Ghana übrigens sehr selbstbewußt. Dass Frau auch zimmert, ist zwar eher ungewöhnlich – hat aber oft auch für unterhaltsamen Gesprächsstoff gesorgt :-)
An das “harte Gebälk” hätte eigentlich die mitgebrachte Stichsäge ran gemusst. Und auch der Akkuschrauber wäre so gerne zum Einsatz gekommen. Aber der Mangel an Strom und nicht zuletzt an Kreuzschrauben, riefen Steven regelmäßig wieder auf den Plan. Der war inzwischen unter anderem auch noch mit den Dacharbeiten am Schulgebäude zugange und half Samuell – einem anderen Handwerker – bei den Vorbereitungen zum Stellen eines dritten Wassertanks. Dieser Wassertank soll in Zukunft das Badezimmer versorgen, wenn die Leitung mal wieder trocken liegt. Um den Tank in entsprechender Höhe zu platzieren (um auf Pumpe und damit auf Strom verzichten zu können), wurden in den folgenden Tagen Fundament und Stahl-/Betonstützen mit Plattform gebaut.
Wenn die Kinder aus der Schule kamen, halfen sie beim Beton anrühren und verteilen oder beim Schleifen vom Holz für die Betten. Und immer wieder trugen sie – was auch immer – auf ihren kleinen Köpfen (für uns unvorstellbar und absolut nicht zum Nachahmen geeignet, wenn nicht geübt).
Nach und nach füllten sich die Kinderzimmer mit Betten und das Holz für die Schränke war auch schon da. Hier noch ein Regal, da noch ein paar Schulschränke – ohne Steven hätten wir das nie hinbekommen. Wir fragen uns heute noch, wie man wochenlang – fast ohne Unterbrechung – Tag für Tag sägen kann... aber wir fragen uns auch, wie man wochenlang – fast ohne Unterbrechung – Tag für Tag hämmern kann. Der arme Daumen von Diana wurde gleich mehrfach getroffen und bringt noch heute – 8 Wochen danach – schillernde Farben zum Vorschein. (“Deh seit aus!”)
Wie dem auch sei: Es geht! Und es ist ein überwältigendes Gefühl am Ende zu sehen, was man in so kurzer Zeit alles bewirken kann. Man muss es einfach nur machen!!
Und natürlich haben wir uns mächtig in die Kinder verliebt! Die Stimmung im Luckyhill ist einfach Klasse. Da kümmern sich die Großen um die Kleinen, bauen sich gegenseitig auf, und mit dem Wenigen was sie haben, sind sie zufrieden. Natürlich könnte es ihnen besser gehen, da im Heim noch vieles fehlt... wie z.B. sanitäre Anlagen. Doch man merkt, dass sie froh sind, nicht alleine zu sein und stützen sich gegenseitig. Wir haben in unserer Zeit im Luckyhill gelernt, dass man mit kleinen Dingen Großes tun kann – und wir danken allen, die zum Gelingen dieser Projekte beigetragen haben.
Wir wollen bald wieder hinfliegen... Diana und Dani.

„Coconutwwweeeeee“ (Junior, 2 Jahre) Mit diesem Spruch wurden wir jeden Tag geweckt. Welch schöner Beginn! Die Sonne scheint auf die staubigen Straßen Westafrikas....ghana to be precise. Weit und breit grüne Landschaften, vereinzelte Gebäude, unglaubliche Stille...nur die leichte Brise ist in den Blättern der Bäume zu hören. Und das Kind. Junior. „Daddy daddy!“ Und da kommt auch schon der Ersatzpapa auf das Gelände des luckyhill childrens home geeilt. Trotz seiner vielen Verpflichtungen schließt er freudig das Kind in seine Arme...oder auch um seine Füße. Und da ruft er uns auch schon ein „gooodmooooorninnngggg how aree weeeee?!“ entgegen.
Insgesamt waren wir fünf Wochen lang in Ghana, wovon wir zwei Wochen im Luckyhill Children's Home verbracht haben. In dieser Zeit haben wir verschiedene Freizeitaktivitäten mit den Kindern durchgeführt. Trotz des meist etwas chaotischen Ablaufs hatten alle Beteiligten ziemlichen Spaß daran- und wir hatten so Gelegenheit, die Kinder und Lehrer besser kennen zu lernen. Meistens hatten wir Kinder verschiedener Altersstufen und Klassen gemischt, so dass alle mal mitmachen konnten.
Jeder Freitag ist für Freizeitaktivitäten an der Schule vorgesehen, das heißt es wird meistens Fußball gespielt. Um den regulären Unterricht nicht zu unterbrechen haben wir daraufhin am ersten Freitag mit unseren Angeboten begonnen.
Als erstes standen Freundschaftsbändchen und Gipsmasken auf dem Programm. Dazu hatten wir beide uns aufgeteilt, sodass wir beides gleichzeitig anbieten konnten. Aufgrund der großen Anzahl an Kindern und Lehrern die mitmachen wollten, war der Ablauf dann relativ chaotisch, allerdings mit schönen Ergebnissen und viel viel Spaß. Lustig war, dass die Kinder anfänglich Angst vor den Gipsmasken hatten und die (männlichen) Lehrer sich an den Freundschaftsbändchen versuchten. Kingsley fand die Idee Freundschaftsbändchen zu machen sehr schön und hat vor, das an kommenden Freitagen erneut anzubieten. Tagsüber fand man überall Fäden und abends immer noch Kinder die knüpften.
Am darauffolgenden Tag halfen wir das unfertige Gebäude, das Platz für weitere Klassenräume bieten soll, weiter zu bauen – unpraktischerweise in der Mittagssonne :) Als wir unsere Hilfe anboten, was die Arbeiter ein bisschen komisch fanden und uns darauf hinwiesen, dass damit unsere Kleidung schmutzig werden würde, kamen auch gleich die ganzen Kids, die gerade an der Schule waren und keinen Unterricht hatten, angelaufen und mit großer Begeisterung halfen wir gemeinsam, die Stützpfeiler des Gebäudes mit Zement zu füllen und diesen auch anzurühren. Sehr verblüffend war es für uns zu sehen mit wieviel Elan, Ausdauer und Geschick die Kinder, vor allem auch die jüngeren, große und sehr schwere Zementschüsseln auf ihrem Kopf transportieren können und auch noch nach längerer Zeit munter waren und Spaß dran hatten in ihrer Freizeit am Bau der Schule mitzuwirken. Den restlichen Tag verbrachten wir damit, mit Gloria und den Kindern zusammen zu sitzen und uns erklären zu lassen, wie man ghanaisch kocht.
Zusammen mit Antje, die inzwischen zu uns gestoßen war, entschieden wir in Absprache mit Kingsley, der Schule einen neuen Anstrich, also eigentlich überhaupt einen, zu verpassen :) Dazu fuhren wir nach Accra um Whitewash, Farbe, Pinsel, Eimer, Rollen etc. zu besorgen. Schneller als man sich versieht, kann dafür auch gleich mal ein ganzer Tag draufgehen...oder auch mehrere, wenn man was vergisst :) Als wir dann letztendlich voll ausgerüstet waren, ging es auch schon los. Mit tatkräftiger Unterstützung vieler Kinder, begannen wir den Whitewash aufzutragen. Das hat den Kindern großen Spaß gemacht und Rollen und Pinsel waren heiß begehrt. Die nächste Herausforderung war es, eine gerade Linie (wir wollten in zwei verschiedenen Farben streichen) um die Schule, die auf ungeradem Untergrund steht und in sich auch schief ist (mit Fenstern auf ungleicher Höhe), zu ziehen. Das ganze geschah natürlich mit ständigem Publikum, in Form von ungefähr 200 Kindern, die gerade Pause hatten und uns fasziniert beobachteten. Als das geschafft war, konnten wir zum spaßigen Teil übergehen, nämlich die Schule bunt anstreichen! Schneller als wir dachten, strahlte sie uns in „Ivory“ (oben) und „Sky Blue“ (unten) entgegen, wie auch viele Kinder, die es geschafft hatten nicht nur die Schule anzumalen :) Leider haben wir es nicht mehr geschafft, die Gitter, Türen und Fensterrahmen zu lackieren, obwohl wir die Farbe dafür schon besorgt hatten. Vielleicht hat Antje das gemacht?! Wenn nicht, können sich ja unsere Nachfolger künstlerisch betätigen :)
Als an einem der folgenden Tage die Lehrerin des Kindergartens erkrankte, bat uns Kingsley, uns mit den kleinsten Kindern zu beschäftigen, was wir gerne taten :) Problem dabei war, dass die Kinder im gleichen Raum wie die 1. Klasse sitzen und wir dort keine Spiele spielen konnten um den Unterricht nicht zu stören. Also haben wir alle Kinder im Alter von ungefähr 2 bis 5 Jahren mit nach draußen unter den Baum genommen, um dort „Faules Ei“ zu spielen und die Kinder mit Seifenblasen, Wasserbällen und deutschen Kinderliedern (Englisch hätten sie auch nicht verstanden :) ) zu belustigen. Dies war für uns doch ziemlich anstrengend, da wir es nicht gewohnt sind auf sooo viele kleine Kinder aufzupassen, die uns nicht verstehen konnten und die auch wir nicht verstehen konnten. Aber insgesamt hat es doch viel Spaß gemacht und war mal eine andere Erfahrung.
KiGha hatte uns gebeten, mit den Waisenkindern zusammen Kalender zu gestalten, also Bilder malen und basteln. Dafür hatten wir aus Deutschland buntes Tonpapier, Schablonen, Buntstifte, Scheren, Klebestifte und Papier mitgebracht. Der Erfolg war allerdings mäßig..:) Viele Kindern hatten offensichtlich noch nie in ihrem Leben ein Bild gemalt und viele wussten nicht wie sie mit den Utensilien umgehen sollten. Auch war es anscheinend ungewohnt für sie, ihre eigene Kreativität und Fantasie umzusetzen, ohne jegliche Vorgaben zu haben. Ein weiteres Problem war die Kommunikation zwischen den Kindern und uns, da viele schlechtes Englisch sprechen und wir die lokale Sprache Twi nicht beherrschen. Am Ende gab es ein paar Kinder, die doch Spaß daran fanden, allerdings war dann nicht mehr genügend Zeit vorhanden und im Großen und Ganzen kann man die Bilder leider nicht wirklich für einen Kalender verwenden.
Am letzten Tag hatten wir noch einen letzten Programmpunkt: Batik! Eigentlich hatten wir vorgehabt, dieses Angebot schon früher durchzuführen, jedoch kam immer etwas dazwischen oder wir hatten noch nicht alles, was dazu benötigt wird, parat. Da man mit den Farben vorsichtig umgehen muss und sie nicht an die Haut gelangen sollten, war unsere Zielgruppe diesesmal die oberen Klassen. Jeder Teilnehmer bekam ein Stück Stoff, sowie Schnur und Stock und konnten ihr Stück Stoff nach ihrem Wunsch gestalten. Das hat allen viel Spaß gemacht und auch die Kindergartenlehrerin und Gloria waren voll dabei. Die Ergebnisse sind super schön geworden und die Kinder waren sehr stolz auf ihr gefärbtes Tuch, das manche gleich als Kopftuch nahmen :)
Dann war unsere Zeit auch leider schon zu Ende und wir machten uns auf den Weg nach Accra. Wir haben die Zeit im Luckyhill Children's Home sehr genossen und haben uns sehr willkommen gefühlt! Kingsley ist sehr fürsorglich, jedoch auch sehr beschäftigt, trotzdem stand er uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite und war immer offen für Vorschläge und Anregungen. Während unseres Aufenthaltes haben wir ihn, Gloria und natürlich die Kinder sehr lieb gewonnen und hoffen, sie so bald wie möglich wieder besuchen zu können.
Wir haben gesehen, dass sehr viel Arbeit in dem Projekt steckt, dass sich jedoch auch schon viel getan hat und ständig Fortschritte zu sehen sind! In jedem Fall freuen wir uns, durch unseren Aufenthalt zu diesem so wichtigen Prozess beigetragen zu haben und bedanken und ganz herzlich dafür, dass wir über KiGha die Chance hatten, einen Einblick in ein solches Projekt zu gewinnen.
Danke!

Von Accra – Ghanas geschäftiger Hauptstadt – sind es circa 35 Kilometer Fahrt, bis in westlicher Richtung am linken Straßenrand ein handgemaltes Schild erscheint auf dem steht: „Luckyhill International School & Children's home“. Für diese Strecke braucht man übrigens in einem der überfüllten ghanaischen Kleinbusse fast eine Stunde.
Als ich dort – wenige Tage nach meiner Ankunft in Afrika – ankam, konnte ich kaum fassen, was ich sah. Wie, fragte ich mich, sollen in dieser Baustelle mitten im Nirgendwo Kinder unterrichtet werden? Für jemanden, der seine Bildung in Europa genießen durfte, ist es tatsächlich zunächst kaum vorstellbar, wie eine Grundschule in zwei nackten Beton- Gebäuden ohne Strom, Wasser und andere – für uns so selbstverständliche – Dinge überhaupt existieren kann.
Tatsächlich fehlt es in dieser Schule an so vielem, dass man es kaum fassen kann. Der erste Schock ist jedoch schnell überwunden, wenn man sieht, was an diesem Ort bereits geleistet wurde und jeden Tag geschieht. Seit 2003 steckt der Leiter der Schule und des Waisenhauses, Kingsley Ashun, jede Minute und jeden Cedi [das ist die ghanaische Währung], der ihm zur Verfügung steht in dieses Projekt. Als er vor einigen Jahren die ersten Waisenkinder bei sich zuhause in Accra aufnahm, konnte er noch nicht ahnen, wie viele Mädchen und Jungen in der Umgebung dringend Hilfe benötigen. Heute besuchen fast 200 Kinder die „Luckyhill International School“. 32 davon wurden von ihren Eltern verstoßen, 28 sind Vollwaisen. Für alle Kinder ist die Schule bereits heute zu einem Ort der Zuflucht geworden. Hier lernen sie nicht nur schreiben, lesen und rechnen. Hier bekommen sie ein Mittagessen und finden Lehrer, die ein offenes Ohr für ihre Probleme haben. Davon haben sie trotz ihres unschuldigen Alters viel zu viele. Die meisten Kinder werden zuhause eher ‚geduldet’ als geliebt und müssen so hart arbeiten, dass für Schulaufgaben und Spielen kaum Zeit bleibt. Kingsley, sechs LehrerInnen und seine Schwägerin, die Schulköchin Gloria, geben jeden Tag ihr Bestes um diesen benachteiligten Kindern zu helfen. Als erste Freiwillige, die länger in der Schule war, konnte ich mir ein Bild machen, wie vielseitig diese Hilfe ist. Ich hatte weder eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, Reis für über 200 Menschen über einem offenen Feuer zu kochen, noch habe ich jemals darüber nachgedacht, wie ich die Funktion des Herzens in einer fünften Klasse nahezu ohne Bild- oder anderes Anschauungsmaterial erklären soll. Manchmal brauchte ein Kind einfach nur ein Pflaster auf dem Knie, manchmal musste es ein schweißtreibendes Fußballmatch sein.
Während meiner Zeit in Ghana habe ich viel gelernt. Nicht nur über Kultur und Geschichte des westafrikanischen Landes, sondern auch über zwischenmenschliche und interkulturelle Zusammenarbeit. Ich konnte mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass die Sach- und Geldspenden, die bisher in Deutschland gesammelt wurden, dort angekommen sind, wo sie hin sollten. Ich möchte dafür im Namen von Kingsley und allen LehrerInnen und Kindern nochmal vielen, vielen Dank sagen. KiGha - Kinder in Ghana e.V. leistet Hilfe zur Selbsthilfe, und darauf können alle Beteiligten stolz sein!
Eines der neusten Projekte ist ein Schulgarten, in dem die Mädchen und Jungen ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen können. Die nächsten Projekte werden der Ausbau eines der bestehenden Häuser zum Waisenhaus, der Neubau eines Gebäudes mit Klassenräumen und eine individuellere Förderung der einzelnen Kinder sein.

Den kompletten Bericht von Katja's Aufenthalt in Ghana, der später zur Gründung von KiGha - Kinder in Ghana e.V. führte, findet ihr hier.